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Galvanotechnik: Leichte Erholung der wirtschaftlichen Situation
Getragen von der allgemeinen industriellen Belebung entspannt sich auch die wirtschaftliche Situation in der deutschen Galvanotechnik und die Zuversicht der Unternehmen ist deutlich besser als vor einem Jahr. Es wird ein Umsatzplus von 8 % in diesem Jahr erwartet. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes und damit der Binnennachfrage sowie das restriktive Verhalten der Kreditwirtschaft bleiben aber Unsicherheitsfaktoren hinsichtlich eines deutlichen Branchenwachstums. Dies berichtete der Vorsitzende des ZVO, Walter Zeschky, in der soeben beendeten Auftaktpressekonferenz zur Internationalen Oberflächenmesse O+S in Stuttgart im Juni dieses Jahres
Die wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Galvanotechnik in 2009 stellte hinsichtlich Höhe und Schnelligkeit ein Novum dar. Vor zehn Monaten anlässlich unserer Pressekonferenz zur Hannover Messe haben wir von Einbrüchen von bis zu 50 % gesprochen. Heute – nach Auswertung des Geschäftsjahres 2009 – wissen wir, dass manche Betriebe zeitweise – insbesondere im 1. Halbjahr 2009 als Folge aus dem nahezu völligen Abbau der Läger - von Umsatzeinbrüchen bis zu 80 % betroffen waren. Im Branchendurchschnitt ist der Umsatz in 2009 um 30 % gesunken. Am schlimmsten hat es dabei die Beschichter (- 40 %) und die Verfahrenslieferanten (- 30 %) getroffen, während die Anlagen- und Komponentenlieferanten (- 18 %) noch recht glimpflich davon gekommen sind.
Hintergründe
Die Ursachen für diesen Rückgang sind hinlänglich bekannt und die Galvanotechnik folgte 2009 der Wirtschaftsleistung in Deutschland. Das größte Abnehmersegment der Galvanotechnik ist die Automobilindustrie und insbesondere deren Zulieferer. Der signifikante Absatzrückgang von PKW ab der Mittelklasse aufwärts konnte durch die Kleinwagen-Zuwächse – ausgelöst durch Umweltprämie für die Anschaffung ökologischer PKW – in keinster Weise kompensiert werden. Für die Galvanotechnik bedeuten kleinere Autos geringere Mengen an zu beschichtender Oberfläche z.B. bedingt durch geringe Verwendung von Verbindungselementen, geringeren Flächen von An- und Einbauteilen, weniger Aggregate für Extras, etc
Der Maschinenbau als weiteres wichtiges Abnehmersegment für die Galvanotechnik ist für unsere Branche, wie im April letzten Jahres vorhergesagt, Ende des 2. Quartals 2009 nahezu ausgefallen.
Beschäftigungssituation
Die zwischenzeitlich durchaus als dramatisch zu bezeichnende Situation im letzten Jahr musste sich zwangsläufig auf die Beschäftigungssituation auswirken. So haben 75 % der Branchenunternehmen im letzten Jahr das Instrument der Kurzarbeit genutzt, um nach Abbau aller befristeter Stellen und Leiharbeiterstellen ihr Stammpersonal weitestgehend halten zu können, was nicht immer gelang. So mussten 35 % der Branchenmitglieder auch Stammpersonal in einer Größenordnung von durchschnittlich 10 % freisetzen. Die ausgedehnten, mitunter immer noch anhaltenden Kurzarbeitsphasen wurden und werden erfreulicherweise vielfach für die Weiterqualifizierung der Mitarbeiter genutzt. Gleichzeitig haben die Unternehmen die Krise genutzt, individuelle Strukturen zu ordnen und die eigenen Qualitätsstandards weiter zu verbessern.
Aktuelle wirtschaftliche Situation deutlich verbessert, Stimmung ist zuversichtlich
Erstmals haben wir auch im Jahr der O+S ein aktuelles Stimmungsbild unserer Branche erfragt und es kündigt sich erfreulicherweise ein leichter Aufwärtstrend an. So bezeichnen bereits wieder 10 % der Befragten ihre aktuelle wirtschaftliche Situation mit GUT (2009: - ) und 48 % mit zufriedenstellend (2009: 18%). Zwar antworten derzeit noch 40 % der Befragten auf ihre aktuelle wirtschaftliche Situation mit SCHLECHT (2009: 32%), jedoch wird das Bewertungskriterium WESENTLICH SCHLECHTER nicht mehr aufgerufen (2009: 48 %). Von der Situation in 2008, als sich 75 % der Branchenmitglieder im Bereich von sehr gut oder gut bewegten, sind wir natürlich noch sehr weit entfernt.
Ausblick
Auch die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate sehen – anders als noch vor einem Jahr - eine Besserung der Situation vorher. 31 % bzw 55 % der Befragten erwarten eine bessere bzw. konstante Geschäftsentwicklung (2009: 18 % / 24 %), nur noch 14 % eine weitere Verschlechterung (2009: 60 %). Die Unternehmen erwarten in diesem Jahr eine durchschnittlichen Umsatzanstieg von 8 %.
Diese Erwartung basiert auf den Prognosen unserer wichtigsten Abnehmersegmente, die zwar immer noch unterdurchschnittlich, aber doch stärker als im Herbst 2009, ausgelastet sind. Der Aufbau von Lagerbeständen wird jedoch sehr vorsichtig vorgenommen.
Die Entwicklung des Arbeitsmarktes und damit der Binnennachfrage sowie das restriktive Verhalten der Kreditwirtschaft bleiben aber Unsicherheitsfaktoren hinsichtlich eines deutlichen Branchenwachstums, ebenso wie das Preisdiktat und die Forderungen einiger OEMs und TIER1-Lieferanten auf Gewährung nachträglicher Boni und überzogener Reklamationen, von denen inbesondere die Beschichter in ihrer nachhaltigen Rekonvaleszenz betroffen sind.
Neben dieser doch recht positiven Entwicklung der wirtschaftlichen Situation gibt es zahlreiche Sachthemen, die den ZVO derzeit schwerpunktmäßig beschäftigen.
Die Themen „Energie- und Ressourceneffizienz in der bzw. CO2-Reduzierung durch Oberflächentechnik“ sind fest in den Aufgaben des ZVO verankert.
Die Diskussion um Risiken von Nickel und Nickellegierungen wird seit langer Zeit intensiv geführt. Aufgrund des breiten Anwendungspotenzials erfährt Nickel nach wie vor sowohl im dekorativen als auch im funktionellen Bereich einen breiten Zuspruch. Vielfältige Erfahrungen und Untersuchungsergebnisse werden innerhalb des ZVO derzeit aus den verschiedensten Perspektiven diskutiert und beleuchtet. Insbesondere die Lebensmitteltauglichkeit und die dermatologischen Allergien sind im Zentrum des Interesses. Aufgrund der hohen Qualität der Nickelschichten decken diese eine Vielzahl von funktionellen Eigenschaften ab, weshalb die Systeme derzeit noch unverzichtbar und gleichwertige Substitute nicht verfügbar sind. Sowohl seitens der Behörden als auch der Chemielieferanten wird betont, dass auch in den nächsten Jahren die galvanische und chemische Vernickelung den bisherigen Stellenwert beibehalten wird. Trotzdem trägt auch bei dieser bewährten Technik die Weiterentwicklung des Verfahrens zur Akzeptanz bei den Kunden bei und wird verbandsseitig in hohem Maße unterstützt. Der industrielle und gewerbliche Einsatz erfordert zusätzliche Risikomanagement-Maßnahmen, um den Eintrag von Nickel in die Umwelt möglichst gering zu halten.
Ähnliches gilt für den Einsatz von Perflouroctansulfonaten, besser bekannt unter ihrem Kürzel PFOS. Die aktive Unterstützung durch das ZVO-Ressort Umwelt und Chemie hat u.a. dazu beigetragen, dass Substitute zu PFOS in den unterschiedlichsten Anwendungen auf ihre Serientauglichkeit getestet wurden. Die Beschichter im ZVO haben sich zum Ziel gesetzt, Verfahren und Techniken so aufeinander abzustimmen, dass durch deren Anwendungen Flora und Fauna durch den Eintrag von PFOS nicht geschädigt werden. Durch die gezielte Unterstützung der ZVO-Mitgliedsbetriebe konnte im relativ kurzen Zeitraum von 18 Monaten der Anteil von auffälligen kommunalen Kläranlagen in NRW um mehr als 90 % reduziert werden.
Abschließend fasste Walter Zeschky den Sachstand zur an der Technischen Universität Ilmenau geplanten ZVO-Stiftungsprofessur zusammen, über die im vergangenen April in Hannover erstmals informiert wurde. Die Berufung der Professur durch das Land Thüringen stehe unmittelbar bevor und der Lehrstuhl wird voraussichtlich zum Wintersemester 2010 / 2011 seinen Forschungs- und Lehrbetrieb aufnehmen.

