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ZVO Unternehmensticker: Aktuelle Nachrichten aus den ZVO Mitgliedsunternehmen

Anke beklagt EU-Bürokratie

Bei der Anke GmbH & Co. KG schauen Geschäftsführung und Betriebsrat gleichermaßen mit Sorge nach Brüssel, wo die EU an der Zukunft des Unternehmens und der 66 Arbeitsplätze im Essener Stadthafen rüttelt.

Alfons Rüther (Gewerkschaftssekretät IG Metall), Thomas Jodl ( Fertigungsleiter), Geschäftsführer Mario Wehner, Marion Broszio ( Betriebsratsvorsitzende), Wilhelm Hilleke ( BR-Mitglied) und Wencke Hartjes ( IG Metall, Gewerkschaftssekretärin) stehen  am Mittwoch den 08.05.2019 in einer fertigungshalle der Firma Anke im Stadthafen. Die EU will eine Chromverbindung nur noch befristet zulassen. Die Mitarbeiter der Anke Oberflächentechnik fürchten deshalb langfristig um ihre Arbeitsplätze. Foto: Kerstin Kokoska/ FUNKE Foto Services

Auch Anke kämpft mit den Unsicherheiten infolge der politischen Diskussion um Chromtrioxid.

Anke hat vor zwei Jahren 16 Millionen Euro in einen Firmenneubau im Norden Essens investiert. Vor dem Hintergrund der weiter schwelenden Diskussionen um Chromtrioxid fragt sich Geschäftsführer Mario Wehner, ob sich das für ihn gelohnt hat.

Anke ist ein alteingesessener Galvanik-Betrieb in Essen. Die hartverchromten Teile kommen unter anderem in der Automobilindustrie, im Maschinenbau oder in Windkraftanlagen zum Einsatz. In der Produktion wird Chromtrioxid verwendet, das als krebserregend eingestuft wird und dessen Einsatz daher laut REACH autorisierungspflichtig ist. Für Chromtrioxid gibt es laut Wehner jedoch noch keinen adäquaten Ersatzstoff. Umso wichtiger sei es, dass Unternehmen in den Arbeitsschutz ihrer Mitarbeiter investieren, was die EU-Politik allerdings gerade torpediere. Das fortwährende politische Ringen um die Autorisierung macht Wehner wütend. Denn für ihn bedeutet es Unsicherheit. Ginge es nach ihm, sollte die EU Chromtrioxid sogar für weitere zwölf Jahre zulassen. Das wäre der längst mögliche Zeitrahmen. „Dann hätte ich als Unternehmer Investitionssicherheit“, betont er. Denn die Abschreibungsdauer für Investitionsgüter beträgt 13 Jahre. 

Produktion könnte ins Ausland abwandern 

Bei deutlich weniger Zulassungsjahren, glaubt Wehner, gehe die Investitionsbereitschaft zurück. Im Falle eines Verbots wären Deutschland und die EU als Produktionsstandort tot und mit ihm die Arbeitsplätze. Dann würde die Verchromung im außereuropäischen Ausland stattfinden, in Ländern, die sich weit weniger um die Arbeitssicherheit ihrer Mitarbeiter kümmerten. Aber für ihn hört Verantwortung nicht an den EU-Grenzen auf. 

In seiner Sorge sieht er sich im Schulterschluss mit dem Betriebsrat und der IG Metall. Betriebsratschefin Marion Broszio sieht auch bei einer siebenjährigen Frist eigentlich nur noch einen befristeten Arbeitsvertrag. Mit der IG Metall setzt sich deshalb auch der Betriebsrat für eine lange und schnelle Zulassung ein. Ein entsprechender Antrag soll auf dem nächsten Gewerkschaftstag eingebracht werden. In Deutschland beschäftigt die meist mittelständig geprägte Galvano- und Oberflächentechnik 50.000, europaweit 440.000 Mitarbeiter. 

Essener SPD-Abgeordneter für schnellere Zulassung 

Der Essener Europaabgeordnete Jens Geier (SPD) kann verstehen, dass Wehner über einen so kurzen Zulassungszeitraum nicht glücklich ist. Er teilt auch die Argumente der Abschreibungsfristen. Andererseits sei dies eine politische Entscheidung der Kommission, die es erlaube zu prüfen, ob es neue Erkenntnisse beim Einsatz von Chromtrioxid gibt. Auch die Industrie könne kein Interesse haben, dass Mitarbeiter gefährlichen Stoffen ausgesetzt sind. 

An ein gänzliches Verbot, wie es die Grünen fordern, glaubt Geier nicht. Deren Resolution sei nicht mehr als eine Empfehlung an die EU-Kommission. „Warum sollte die Kommission einen Stoff aus dem Verkehr ziehen, wenn wir nichts Besseres haben“, meint Geier, der im EU-Industrieausschuss sitzt. Seine Partei hatte gegen die Resolution der Grünen gestimmt. Geier fordert dagegen, dass die Prüfbehörde nach einem Personalabbau in jüngster Vergangenheit wieder besser ausgestattet wird. Damit könnten Zulassungsverfahren beschleunigt werden und so Unternehmen schneller Sicherheit haben.

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