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Jahresmeeting des CETS

Die europäische Oberflächenindustrie traf sich am 16. Mai 2020 im Rahmen des CETS-Jahresmeetings – aufgrund der aktuellen Situation online und zeitlich verkürzt. 17 Teilnehmer aus zwölf Mitgliedsorganisation nahmen an der Veranstaltung teil, für die der ZVO die Plattform zur Verfügung gestellt hatte. Beherrschendes Thema war die Chromtrioxid-Autorisierung.

CETS Logo

Wie immer teilte sich die Veranstaltung in die Jahrestagung und die offizielle Hauptversammlung. Die European Precious Metal Federation (EPMF) war aus aktuellem Anlass als Gast dabei. Aufgrund der verkürzten Zeit wurden die Mitglieder gebeten, Präsentationen über die Aktivitäten der vergangenen zwölf Monate von maximal fünf Minuten und mit möglichst nur drei Slides zu halten.

Auffällig bei den Präsentationen war die starke, teils ausschließliche Konzentration der nationalen Institutionen auf das Thema Chromtrioxid-Autorisierungen. Es kam zu intensiven Diskussionen darüber, inwieweit die Verbände und CETS tätig werden sollen. Vorbehalte bestanden, das Lobbying und die inhaltliche Ausgestaltung zu betreiben, da hier private Institutionen (CTACsub-Konsortium, HAPOC, REACHLaw etc.) betroffen sind. Unterstützung befürworten alle, die überwiegende Mehrheit der Mitglieder sieht jedoch die Verbände nur in unterstützender Rolle, allein schon aufgrund mangelnder Ressourcen. Die Initiative muss von den Antragstellern ergriffen werden.

Als wesentliches kommendes Thema für den CETS wird die Fortsetzung des Sevilla-Prozesses (BREF/BVT/BAT) gesehen. Hier ist ein Paradigmenwechsel zu erwarten, wie Finnland berichtete[1]. Offenbar soll ebenfalls vor allem auf die Verwendung von SVHCs eingegangen werden, zu Lasten der Prozessbetrachtung. Der österreichische Verband hatte hierzu bereits eine nationale Vorbereitung zusammen mit dem österreichischen UBA[2]. CETS startet hierzu eine direkte Initiative (GB, F, NL, I), um vorbereitet zu sein. Zunächst ist festzustellen, wer die Repräsentanten der Mitgliedsstaaten sein werden.

Zum Thema SCIP wurde seitens des Nickelinstituts darauf hingewiesen, dass es sich hier nicht um SVHCs dreht, sondern vielmehr um SOC (substances of concern, siehe https://echa.europa.eu/de/scip-database). Hier fehlt eine Definition und die Tragweite ist kaum noch zu überschauen.

Als neues Mitglied stellte sich die ICDA[3] vor. Sie vertritt weltweit die Erzeuger von Chrom und Chromverbindungen und erhofft sich vom Beitritt zum CETS den Eintritt in die Oberflächenanwendungen. Damit vollzieht die erst kürzlich neu etablierte Führungsebene einen lang erwarteten Schritt. Denn bisher war die ICDA in der REACH-Chrom(VI)-Problematik nicht aktiv. Zu empfehlen ist das gut gestaltete Video zu Verwendungen von Chrom[4].

Aktivitäten der CETS-Mitglieder

In Österreich wurde unter Mithilfe der AOT[5] die europäische Kanzerogen-Mutagen-Richtlinie durch Einführung von Arbeitsplatzgrenzwerten etabliert. Mit 10µg/m3 als täglichem Durchschnittswert und 40µg/m3 maximaler Kurzzeitexposition entsprechen die Vorgaben weitestgehend den europäischen Arbeitsschutzgrenzwerten. Interessanterweise liegen sie damit jedoch noch deutlich über den unter REACH-Autorisierungen diskutierten Werten.

Die EPMF gab ein Update über die geplanten Restriktionen zu Silber und Silbermetall. Es wurden diverse Webinare, teilweise sektorspezifisch, angekündigt. Das EPMF bündelt die Interessenvertretung der silberverarbeitenden Industrie und der Kundenbranchen.

Das Nickelinstitut stellte seine Arbeiten sowie den Stand bezüglich Arbeitsplatzgrenzwerten für Nickel und Nickelverbindungen vor. Dabei wird an wissenschaftlichen, sozioökonomischen und Inhalten zur technischen Machbarkeit gearbeitet, um den Regulierern belastbare Daten unter anderem für die Folgenanalyse zu liefern, die für dieses Jahr erwartet wird.

In Großbritannien wird die Oberflächenbranche durch die SEA[6] vertreten. Natürlich stehen die Änderungen durch den Brexit im Vordergrund, insbesondere in den Gesprächen mit den nationalen Behörden über die Art der Handhabung europäischer Richtlinien. Die Problematik der Chromtrioxid-Autorisierungen bleibt jedoch auch auf der Insel dominant. SEA sieht die Herausforderung, weiter eine steigende Anzahl von Substanzen gegen übertriebene und unverhältnismäßige Regulierung zu verteidigen.

Wie bereits erwähnt, war die finnische Oberflächenbranche Teilnehmer an einem nationalen BREF-Vorprojekt für „Oberflächentechnik für Metalle und Kunststoff“. Daneben beteiligte sie sich am Projekt BEST[7] zur Steigerung der Effizienz der Behandlung von Industrieabwässern, das die baltische Region umfasste. Außerdem leitete Finnland eine Zusammenarbeit mit ECHA und Europäischer Kommission zur Durchführung von gemeinsamen Workshops mit CETS über die neuen Forderungen von Substitutionsplänen ein.

Auch Schweden bereitet sich auf den neuen BREF-Prozess vor. Es wurde darauf hingewiesen, dass dort ein Paradigmenwechsel zu erwarten ist. Bisher fokussierten die aus BREF resultierenden Dokumente (BAT, best available technologies) die apparative Ausrüstung, Nun sollen die chemischen Eigenschaften von Substanzen in den Produktionslinien Grundlage von Spezifizierungen und Beschränkungen werden. Wie dies mit REACH und anderen Regularien in Übereinstimmung zu bringen sein wird, ist noch unklar, da der Prozess für die Oberflächentechnik noch nicht gestartet ist. Er wird für 2021 erwartet. Schweden erwartet für die Zukunft einen Rückgang der technologischen Vielfalt, Verzögerungen beim Aufbau neuer Technologien zw. Anlagen sowie stark erhöhte Kosten und wachsende Bürokratie. Diese Meinung wurden im Auditorium geteilt.

Auch für die Niederlande steht die unbefriedigende Situation bei den Chromtrioxid-Autorisierungen im Vordergrund, nicht zuletzt weil von hier die Resolutionen im Europaparlament ausgingen. Daneben wird aber auch die SCIP-Datenbank, die geplante Beschränkung von Kobaltsalzen und die unklare Situation bei poly- und perfluorierten Substanzen kritisch gesehen und mit aktiver Interessenvertretung bei Behörden und Ministerien bearbeitet. Die Niederlande haben eine ausführliche Studie zu Folgen der REACH-Umsetzung auf den nationalen Arbeitsmarkt erstellt.

Der belgische VOM[8] war ebenfalls in Brüssel stark aktiv für die Interessen der Chromtrioxid-Nutzer. Außerdem ist VOM involviert in das europäische HBM4EU[9]-Projekt, das noch keine wesentlichen Ergebnisse berichtet hat, jedoch zukünftig auch die Oberflächenbranche vor zusätzliche Herausforderungen stellen könnte. Als spezielle Initiative läuft ein Projekt „Alt ctrl trans“[10]. Hier werden die Technologien chemisch Bor, Beschichtung mit Chrom(III)-Elektrolyten sowie Lichtbogenplasmabeschichtung auf ihre Eignung als Alternativen untersucht.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Herausforderungen an die Oberflächenbranche europaweit noch zunehmen werden – mit unklarem Ausgang. Der Vergleich mit den Mitteln von EPMF, Nickelinstitut und ICDA macht deutlich, dass der CETS über zu wenige Ressourcen verfügt, um eine breit angelegte Lobbyarbeit auf europäischer Ebene gewährleisten zu können. Das derzeitige Jahresbudget von rund 20.000 Euro ist dazu unzureichend und macht beispielsweise eine regelmäßige dauerhafte Präsenz in Brüssel nicht möglich. Es bleibt die Frage, wie hier ein Ausbau möglich gemacht werden kann.

 


[1] https://www.syke.fi/projects/hazbref

[2] Umweltbundesamt

[3] International Chromium Development Association, https://www.icdacr.com/

[4] https://www.icdacr.com/page.html?pageID=32

 

[5] Arbeitsgemeinschaft Oberflächentechnik

[6] Surface Engineering Association

[7] Better Efficiency for Industrial Sewage Treatment, https://bestbalticproject.eu/

 

[8]  https://www.vom.be/en/home

[9] Human biomonitoring for EU, https://www.hbm4eu.eu/

[10] Alt ctrl trans: alternatives for hard chromium in the transport-& transformation industry“, http://www.altctrltrans.eu/