Zum Hauptinhalt springen
News - Neue Nachrichten

Rückblick und Ausblick: Von Unsicherheit geprägtes wirtschaftliches Umfeld

Die aktuellen Entwicklungen bleiben ambivalent. Denn in vielen Bereichen überwiegt Unsicherheit vor dem, was auf die Unternehmen der Branche zukommt. Die Folge sind ausbleibende Investitionen aufgrund fehlender Planungssicherheit.

Porträt Christoph Matheis

Christoph Matheis

Die Einschätzung zum Ende des letzten Jahres „Ambivalente Entwicklungen“ können - oder besser - müssen wir auch in diesem Jahr verwenden. In vielen Bereichen überwiegt Unsicherheit vor dem, was kommt, was sich wiederum in ausbleibenden Investitionen aufgrund fehlender Planungssicherheit für die Unternehmen niederschlägt.

Zum einen sind nach wie vor zahlreiche Chromtrioxid-Anträge nicht entschieden. Es gab zwar Mitte Februar eine Entscheidung, doch nur drei Wochen später entschied das EuG in einem die Galvanotechnik gar nicht betreffenden Gerichtsverfahren (T-837/16 Königreich Schweden gegen EU Kom/ECHA), in dem es um bleihaltige Farben für Fahrbahnmarkierungen (!) eines nichteuropäischen Antragstellers ging, dass die EU-Kommission „das Vorhandensein der Voraussetzungen für eine Zulassung prüfen muss und sich nicht auf andere (nämlich ihre eigenen!) Gremien wie RAC und SEAC verlassen kann“. Da es Zweifel an der Nichtverfügbarkeit von Alternativen gab, hätte die EU-Kommission das weiter aufklären müssen. Seither sucht sie händeringend Experten und Gremien, die nicht ihre eigenen sind. Die Suche dauert an.

Zum anderen ist da der Imageverlust, den die deutsche Wirtschaft weltweit zunehmend erleidet und der von mindestens einem Staatspräsidenten hämisch kommentiert wird. Zahlreiche Fehltritte, Betrügereien und Vertuschungsversuche haben dazu geführt, dass „Made in Germany“ einen spürbaren Vertrauensverlust erfährt – und zwar Produkte und Unternehmen gleichermaßen. Eine besorgniserregende Entwicklung für eine Volkswirtschaft, in der jeder dritte Arbeitsplatz vom Export abhängig ist.

Viele offene Fragen bei Elektromobilität

Richten soll es jetzt die Elektromobilität. Politisch gewollt, weil Elektroautos als umweltfreundlich gelten und somit dem Klimaschutz dienen. Primäremissionen fallen hier zwar keine an, aber wie sieht es mit den Sekundäremissionen aus, also denen, die bei Herstellung des Stromes anfallen? Überhaupt sind noch zu viele Fragen hinsichtlich elektrisch betriebener Fahrzeuge ungeklärt. Für Vielfahrer sind die Reichweiten zu gering und die Ladezeiten zu lang. Die Batterieforschung wird vorangetrieben, aber wird es die Superbatterie, die vorstehende Kriterien zufriedenstellend erfüllt, jemals geben? Von Forschung und Weiterentwicklung alternativer Antriebstechnologien wie zum Beispiel der Brennstoffzellentechnologie hört und sieht man wenig bis gar nichts. Sie wurde vorschnell begraben. Aus Sicht der Automobilindustrie jedoch durchaus nachvollziehbar, denn ihr fehlt einfach die Zeit. Sie muss kurzfristig mit möglichst vielen elektrisch angetriebenen Neufahrzeugen auf den Straßen aufwarten, um die strengen politischen CO2-Vorgaben zu erfüllen und milliardenschwere Strafzahlungen abzuwenden. Da lässt sich nicht auch noch kostspielige Forschung alternativer Antriebssysteme betreiben. Eine technologieoffene Forschung, in der Wasserstoff als Energieträger nicht aus dem Blick verschwindet, sollte alle antreiben, die es mit alternativen Antriebssystemen ernst meinen.

Transformationsprozess der Automobilindustrie betrifft Oberflächentechnik

Der Transformationsprozess in der Automobilindustrie wirkt sich bereits negativ auf die Beschäftigung aus: Betriebsschließungen, Sparprogramme und Produktionsverlagerung ins Ausland nach China und Osteuropa – glaubt man den Auguren, in die einzig verbleibenden automobilen Wachstumsmärkte – haben erste Massenentlassungen in der Automobilindustrie und bei ihren TIER-Lieferanten zur Folge. Gelten bei den Automobilherstellern noch langfristige Beschäftigungsgarantien, stoßen die TIER-Lieferanten mit Überstundenabbau, Altersteilzeit oder Frühverrentungsangeboten an ihre Grenzen. Der Umbruch vollzieht sich einfach zu schnell. Die Auswirkungen auf die mittelständische Galvano- und Oberflächentechnik bleibt abzuwarten. Rückläufige Umsätze und Kurzarbeit sind erste Anzeichen, dass der Strukturwandel an ihr nicht spurlos vorbeigehen wird.

Erfreuliche Entwicklung bei der ZVO

Die Entwicklung innerhalb des ZVO ist hingegen erfreulich. Die 2015 erstellten Businesspläne haben sich weitgehend als richtig erwiesen, die erwartete Mitgliederzahl wurde mit aktuell 245 Firmenmitgliedern übertroffen.

Im Mittelpunkt eines jeden ZVO-Jahres stehen die ZVO-Oberflächentage. Mit der neuerlichen Rekordbeteiligung von 684 Teilnehmern in Berlin war allerdings nicht zu rechnen. Wie im letzten Jahr stellen 95 Prozent der Teilnehmer dem Kongress eine erstklassige Bewertung aus und so sind uns die fehlenden 5 Prozent nach wie vor Ansporn und Anspruch zugleich. Der Besuch des Bundesministers für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Branche in der politischen Wahrnehmung zunehmend den Stellenwert erhält, der ihr zukommt.

Die Aussichten für das neue Jahr? Ambivalent! Vieles ist nicht zu beeinflussen, zum Beispiel die Auswirkungen der weltpolitischen Entwicklungen wie Handelszölle, Brexit oder kriegerische Auseinandersetzungen am Rande Europas und in Nahost. Machen wir uns also das Credo von Wolfgang Bosbach zu eigen: „Nie an Dingen verzweifeln, an denen man nichts ändern kann. Verglichen mit den allermeisten Ländern auf der Welt geht es uns gut. Bei allem Kummer, den wir haben, ist Deutschland immer noch das beste, das wir jemals hatten!“ 

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich nun eine besinnliche und geruhsame Advents- und Weihnachtszeit, einen guten Übergang in das neue Jahr und ein erfolgreiches 2020. Bleiben Sie uns gewogen.

Ihr

Christoph Matheis

Hauptgeschäftsführer

Zentralverband Oberflächentechnik e.V.