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Die europäische und deutsche Flagge

Chromsäure und REACH

Chemische Zusammensetzung

Im Jahr 2006 wurde die sogenannte REACH-Verordnung beschlossen. REACH steht für „Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe" (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) Diese sieht vor, dass für die Nutzung von gefährlichen Stoffen (substances of very high concern, SVHC) Zulassungsgenehmigungen notwendig sind.

Chromtrioxid wurde auf Betreiben von Deutschland als SVHC gelistet. Seither tickt die Uhr für die freie Verwendung von Chromtrioxid in der EU. Das sogenannte "Sunset Date" ist das Datum, ab dem eine chemische Substanz – ohne entsprechende Zulassungsgenehmigung – gemäß REACH nicht mehr verwendet oder in Verkehr gebracht werden darf. Im Falle von Chromtrioxid ist dieses Datum der 21. September 2017. Dies gilt auch für Lagerbestände und für die wässrige Lösung des Chromtrioxid, welche oft als Chromsäure bezeichnet wird.

Um die Möglichkeit einer kontinuierlichen Weiterverwendung im Rahmen der REACH-Verordnung aufrecht zu halten, mussten Anträge zur Autorisierung bis zum 21. März 2016 abgegeben werden. Die Zulassung erteilt dem Antragsteller die Genehmigung, den Stoff unter bestimmten Bedingungen verwenden zu dürfen. Diese wird in regelmäßigen Zyklen überprüft und kann somit nicht (!) als rechtsverbindliche Garantie zum zeitlich unbegrenzten Produzieren gesehen werden. Als Orientierung hat die Europäischen Chemikalien Agentur (ECHA) Zulassungszeiträume von 4, 7 oder 12 Jahren ausgegeben. Jeder Zulassungsantrag kann jedoch für eine individuelle Dauer gestellt werden. Die Gültigkeitsdauer der Zulassung wird durch den finalen Zulassungsbescheid definiert.

Kompliziertes Zulassungsverfahren geht an die vitale Substanz kleiner und mittlerer Unternehmen

Um eine Zulassung für Chromtrioxid zu erhalten, müssen Unternehmen ein kompliziertes Verfahren durchlaufen, welches auch aufgrund der Vorgehensweise der ECHA an die vitale Substanz vieler kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) geht. Während sich in der Großindustrie ganze juristische Abteilungen um eine solche Zulassung kümmern können, ist für KMU der große administrative und kostenintensive Aufwand eines Zulassungsverfahrens zeitlich, personell und finanziell nicht zu leisten

Aus diesen Gründen setzt sich der Zentralverband Oberflächentechnik e. V. (ZVO) regelmäßig bei Entscheidungsträgern für Änderungen an der REACH-Verordnung ein. Chromtrioxid wird hierbei als besonderes Beispiel für den enormen Bürokratieaufwand für KMU aufgeführt, der durch die REACH-Verordnung ausgelöst wird. Vertreter des ZVO haben bereits bei diversen politischen Veranstaltungen in Brüssel auf die durch REACH verursachten Missstände: Bürokratieaufwand, IT-System-Probleme, begrenzte Was ist damit gemeint: durch Sprachbarrieren begrenzte Verfügbarkeit der ECHA, etc. hingewiesen, die die Galvano- und Oberflächenbranche sowie KMU allgemein beeinträchtigen. Der ZVO wird sich auch in Zukunft weiterhin für Änderungen, insbesondere mit Bezug auf Chromtrioxid, der REACH-Verordnung stark machen.

Europäische Grenzwerte für Chromtrioxid?

Im Mai 2016 hat die EU-Kommission im Rahmen eines Gesetzentwurfs zu Karzinogenen und Mutagenen außerdem einen Grenzwert von 0,025 mg/m³ für Chromtrioxid vorgeschlagen. Dieser Wert würde parallel zur REACH-Verordnung gelten. Der vorgeschlagene Wert liegt derzeit zwar über dem aktuell geltende Wert in Deutschland, jedoch könnte sich dies durch Vorschläge seitens des Europäischen Parlaments sowie des Rats in dem ab Herbst 2016 anstehenden Gesetzgebungsverfahren noch ändern. Der ZVO wird die weitere Entwicklung in Brüssel aufmerksam verfolgen und sich hierzu mit relevanten Entscheidungsträgern austauschen.