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Chemie-Leistungskurs entdeckt die Oberflächentechnik

Wie wird aus einer elektrochemischen Reaktion ein sicher geführter technischer Prozess? Dieser Frage ging der Chemie-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 12 des Goethe-Gymnasiums Reichenbach am Beruflichen Schulzentrum für Bau- und Oberflächentechnik des Landkreises Zwickau nach. Gemeinsam mit Auszubildenden erprobten die Schüler Arbeitsschritte der Galvanotechnik und lernten den Ausbildungsberuf Oberflächenbeschichter (m/w/d) aus erster Hand kennen.

Der Projekttag verband erfolgreich Unterricht, Berufsorientierung und Ausbildung.

Der Leistungskurs unter Begleitung seines Chemielehrers Sebastian Fischer tauschte am 10. September 2026 den Chemiesaal gegen die Werkstätten und Fachräume des Beruflichen Schulzentrums Zwickau Außenstelle Limbach-Oberfrohna. Die BSZ-Lehrkräfte Oliver Böhme und Benjamin Trinks bereiteten den fachpraktischen Teil vor und begleiteten die Lerngruppen.

Der Projekttag war für beide Schulen eine Premiere. Erstmals arbeiteten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums unmittelbar mit Auszubildenden der Oberflächentechnik zusammen. Nach einer fachlichen Einführung fertigten die Jugendlichen einfache Aufhängungen für Probestücke an, bereiteten weitere Arbeitsschritte vor und erhielten in Schutzkleidung Einblicke in die Arbeit an galvanotechnischen Anlagen.

Dabei wurde sichtbar, welche Anforderungen hinter einem reproduzierbaren Beschichtungsprozess stehen. Chemische Kenntnisse bilden die Grundlage. Hinzu kommen die sorgfältige Vorbereitung und Kontaktierung der Werkstücke, kontrollierte Prozessbedingungen, Qualitätsbewusstsein und die konsequente Einhaltung des Arbeitsschutzes. Für die Schüler erhielten bekannte Inhalte aus der Elektrochemie damit einen konkreten technischen Zusammenhang.

Auszubildende vermitteln ihr Wissen

Eine zentrale Rolle übernahmen die Auszubildenden des Beruflichen Schulzentrums. Sie erklärten die Arbeitsabläufe, begleiteten die Gäste an den einzelnen Stationen und berichteten aus ihrem Ausbildungsalltag. Dadurch entstand eine Lernsituation auf Augenhöhe. Fragen zu fachlichen Anforderungen, Berufsschule und betrieblicher Ausbildung konnten direkt mit jungen Menschen besprochen werden, die den Beruf selbst erlernen.

Auch die Auszubildenden profitierten von ihrer Aufgabe. Wer einen Prozess verständlich erklärt und andere bei praktischen Tätigkeiten anleitet, muss das eigene Vorgehen reflektieren. So förderte der Projekttag neben dem fachlichen Verständnis auch die Fähigkeit, Wissen klar und verantwortungsvoll weiterzugeben.

Berufsorientierung mit bundesweiter Relevanz

Der Ausbildungsberuf Oberflächenbeschichter (m/w/d) ist trotz seiner Bedeutung für zahlreiche Industriezweige vielen Jugendlichen kaum bekannt. Nach den im ZVO-Jahresbericht veröffentlichten Zahlen von DIHK und ZDH wurden 2024 bundesweit 387 junge Menschen in diesem Beruf ausgebildet. Das waren mehr als elf Prozent weniger als im Vorjahr. Praxiskontakte mit allgemeinbildenden Schulen sind deshalb ein wichtiger Baustein, um das Berufsbild sichtbarer zu machen.

Das Projekt in Zwickau ergänzt die bundesweiten Aktivitäten des ZVO zur Berufsorientierung. Im Jahr 2024 stellte der Verband gemeinsam mit der Initiative Damit du Bescheid weißt Unterrichtsmaterialien zum Beruf Oberflächenbeschichter (m/w/d) für rund 8.000 weiterführende Schulen in sechs Bundesländern bereit. Der Projekttag zeigt, wie solche Informationen durch praktische Aufgaben und persönliche Begegnungen vertieft werden können.

Das Berufliche Schulzentrum in Zwickau gehört zu den wenigen Berufsschulstandorten in Deutschland, an denen Oberflächenbeschichter (m/w/d) ausgebildet werden. Der Unterricht erfolgt in einer länderübergreifenden Fachklasse. Die Erfahrungen aus dem Projekttag sind daher nicht nur für die Region interessant. Vergleichbare Kooperationen lassen sich auch an anderen Berufsschulstandorten und gemeinsam mit Ausbildungsbetrieben, Innungen oder regionalen Branchennetzwerken umsetzen.

Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden

Die Beteiligten bewerteten den Austausch als fachlich und pädagogisch gewinnbringend. Der Leistungskurs konnte Unterrichtswissen in einem realen technischen Umfeld anwenden. Die Auszubildenden zeigten ihre berufliche Kompetenz und übernahmen Verantwortung bei der Anleitung der Gäste. Beide Schulen möchten das Format deshalb fortsetzen und die Zusammenarbeit weiterentwickeln.

Der Projekttag macht deutlich, wie Berufsorientierung für die Galvano- und Oberflächentechnik konkret gestaltet werden kann. Jugendliche lernen das Berufsfeld dort am besten kennen, wo sie seine Verfahren selbst nachvollziehen und mit Auszubildenden und Fachlehrkräften ins Gespräch kommen können.