Wie wirken sich politische und regulatorische Entscheidungen aus Brüssel und Berlin konkret auf mittelständische Industrieunternehmen aus? Einen unmittelbaren Einblick erhielten Dennis Radtke MdEP und Torben Münning bei ihrem Besuch bei ANKE Oberflächentechnik.
Gemeinsam mit Tobias Wesselow, Önder Sarigül und Lukas Hanstein besichtigten die Politiker den Betrieb und informierten sich insbesondere über das Hartverchromen sowie die technischen und regulatorischen Anforderungen an die Branche.
Dabei wurde deutlich, welche Bedeutung die Oberflächentechnik für industrielle Wertschöpfungsketten besitzt. Hochwertige funktionale Oberflächen sorgen für Verschleiß- und Korrosionsschutz, verlängern die Lebensdauer von Bauteilen und sind für zahlreiche industrielle Anwendungen unverzichtbar.
Chrom VI und PFAS: Regulierung muss technisch machbar bleiben
Einen Schwerpunkt des Austauschs bildete die europäische Chemikalienregulierung. Insbesondere die laufenden Diskussionen um Chrom(VI) und PFAS stellen die Unternehmen der Galvano- und Oberflächentechnik vor erhebliche Herausforderungen.
Hanstein erläuterte dabei die aktuellen regulatorischen Entwicklungen auf deutscher und europäischer Ebene und machte deutlich, welche Auswirkungen die diskutierten Vorgaben auf die Unternehmen der Branche haben können.
Der ZVO unterstützt einen hohen Schutzstandard für Beschäftigte und Umwelt. Gleichzeitig müssen regulatorische Anforderungen technisch umsetzbar, verhältnismäßig und an der betrieblichen Realität orientiert sein. Wo für industrielle Anwendungen keine technisch und wirtschaftlich gleichwertigen Alternativen zur Verfügung stehen, dürfen regulatorische Entscheidungen nicht dazu führen, dass etablierte Produktionsverfahren und Wertschöpfung aus Deutschland und Europa verdrängt werden.
Gerade beim Hartverchromen zeigt sich, wie eng Chemikalien- und Industriepolitik miteinander verbunden sind. Die Verfahren erfüllen wichtige Funktionen in zahlreichen industriellen Wertschöpfungsketten. Ihre Regulierung muss deshalb neben dem Schutz von Mensch und Umwelt auch technische Machbarkeit, verfügbare Alternativen und die Auswirkungen auf nachgelagerte Branchen berücksichtigen.
Energiepreise bleiben Belastung für den Mittelstand
Auch die weiterhin hohen Energiekosten waren Gegenstand des Gesprächs. Für die energieintensive Galvano- und Oberflächentechnik sind international wettbewerbsfähige Strompreise eine zentrale Voraussetzung für den Erhalt von Produktion und Investitionen am Standort Deutschland.
Aus Sicht des ZVO braucht insbesondere der industrielle Mittelstand verlässliche und langfristig wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Ein Industriestrompreis darf deshalb nicht an der Realität mittelständischer Wertschöpfung vorbeigehen.
Fachkräfte und Ausbildung werden zur Standortfrage
Neben regulatorischen und energiepolitischen Fragen rückte auch der zunehmende Fachkräftemangel in den Mittelpunkt. Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretung schilderten gemeinsam die zunehmenden Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte und Nachwuchs für industrielle Berufe zu gewinnen.
Damit wird die Fachkräftesicherung zunehmend zu einer grundlegenden industriepolitischen Aufgabe. Denn ambitionierte Transformationsziele können nur erreicht werden, wenn den Unternehmen auch die Menschen zur Verfügung stehen, die Anlagen betreiben, Verfahren beherrschen und industrielle Innovation in die Praxis umsetzen.
Politik muss die industrielle Praxis kennen
Der Besuch bei ANKE Oberflächentechnik unterstrich den Wert des direkten Austauschs zwischen Politik, Unternehmensleitung, Beschäftigten und Verband. Gerade bei komplexen regulatorischen Fragen ist der Blick in die betriebliche Praxis unverzichtbar, um die tatsächlichen Auswirkungen politischer Entscheidungen einschätzen zu können.
Für den ZVO sind solche Unternehmensbesuche deshalb ein wichtiger Bestandteil der politischen Arbeit: Sie verbinden die fachliche und regulatorische Diskussion in Berlin und Brüssel mit der Realität der Mitgliedsunternehmen vor Ort.
Für den ZVO bleibt klar: Der Dialog zwischen Politik und industrieller Praxis muss intensiviert werden. Umwelt- und Arbeitsschutz, wettbewerbsfähige Energiepreise, gute Arbeitsplätze und der Erhalt industrieller Wertschöpfung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Deutschland und Europa brauchen eine Regulierung, die hohe Schutzstandards mit einer starken und wettbewerbsfähigen industriellen Basis verbindet.
