Im Mittelpunkt des Unternehmensbesuchs standen die Bedeutung der funktionalen Hartverchromung für eine Vielzahl von Schlüsselindustrien sowie die aktuelle Diskussion im Hinblick auf die geplante Beschränkung von Chromtrioxid, insbesondere die im Raum stehende gravierende Verschärfung der Grenzwerte. Zudem wurden die bisher vom Unternehmen ergriffenen Maßnahmen im Rahmen der europäischen REACH-Verordnung sowie deren Kosten-Nutzen-Analyse als eine „Reise ins Ungewisse“ dargelegt.
Das Unternehmen verdeutlichte die Vielzahl an Einsatzgebieten von hartverchromten Bauteilen und unterstrich die Notwendigkeit, komplette industrielle Wertschöpfungsketten bei zukünftigen regulatorischen Maßnahmen zu berücksichtigen. Bauteile mit einer Hartchromschicht made in Karlstadt kommen unter anderem in der Mobilhydraulik, im Maschinen- und Anlagenbau, in der Lebensmittelindustrie, in der Druck- und Verpackungsindustrie sowie in Kunststoffspritzmaschinen zum Einsatz.
Während eines gemeinsamen Betriebsrundgangs wurden Einblicke in die erforderlichen Produktionsabläufe zur Herstellung einer funktionalen Hartchromschicht gewährt. Zudem wurden die umfangreichen technischen, organisatorischen und regulatorischen Anforderungen erläutert, die mit dem Betrieb einer Galvanik und der Einhaltung eines hohen hohem Umweltstandards einhergehen.
Köhler zeigte sich beeindruckt von der Bauteilgröße (machbar bis zu einer Bauteillänge von 10.000 Millimetern) sowie von der Vielzahl unterschiedlichster Bauteilgeometrien, die mit einer funktionalen Hartchromschicht beschichtet werden können, um dadurch unter anderem eine höhere Verschleißfestigkeit, sehr gute Korrosionsbeständigkeiten, hohe Oberflächenhärten und eine hohe Temperaturbeständigkeit zu erzielen. Darüber hinaus können Hartchromschichten auf Bauteilen auch wirtschaftlich sinnvoll wieder aufgearbeitet werden, wodurch sich die Lebensdauer technischer Komponenten verlängern lässt.
Im gemeinsamen Austausch wurde noch einmal verdeutlicht, dass Chromtrioxid für zahlreiche Industrieanwendungen derzeit weiterhin unverzichtbar ist. Trotz intensiver Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen stehen für viele Einsatzbereiche bislang keine Alternativen zur Verfügung, die alle erforderlichen technischen Eigenschaften in vergleichbarer Weise gewährleisten können.
Die zweite und dritte Generation des Unternehmens unterstrichen gemeinsam, dass der Schutz von Mensch und Umwelt für das Unternehmen höchste Priorität hat. Sie gaben jedoch auch zu bedenken, dass Unternehmen verlässliche und praxisnahe Rahmenbedingungen benötigen, um ihre industrielle Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit langfristig erhalten zu können. Zukünftige regulatorische Vorgaben sollten unter Berücksichtigung der technischen Machbarkeit sowie der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit ausgestaltet werden. Dies betrifft nicht nur die zukünftige Regulierung von Chromtrioxid, sondern auch die PFAS-Regulierung sowie die neue IED-Richtlinie 2.0. Nur so können industrielle Arbeitsplätze und die Wertschöpfung in Europa langfristig gesichert werden. Hier wird perspektivisch auch die Entwicklung der Strompreise, insbesondere für stromintensive Unternehmen wie Galvaniken, eine wichtige Rolle spielen.
Die beiden Generationen gaben Köhler zu bedenken, dass die aus der REACH-Verordnung resultierende Ungewissheit gerade für Unternehmen im Generationenwechsel eine zusätzliche Herausforderung darstellt.
Köhler bedankte sich für die Möglichkeit zu einem offenen und praxisnahen Austausch über die Herausforderungen der mittelständischen Industrie und die Auswirkungen europäischer Regulierungen auf Unternehmen und deren Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zudem versicherte er, die gewonnenen Einblicke und die Anregungen aus dem konstruktiven Austausch in seine weitere politische Arbeit in Brüssel einfließen zu lassen.
