Die europäische Chemikalienpolitik hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Galvano- und Oberflächentechnik. Entscheidungen über einzelne Stoffe und Anwendungen betreffen dabei weit mehr als die Unternehmen der Branche: Sie wirken entlang der Lieferketten bis in den Maschinenbau, die Automobilindustrie, die Medizintechnik sowie die Luft- und Raumfahrt.
Vor diesem Hintergrund brachte der ZVO die Perspektive seiner überwiegend mittelständischen Mitgliedsunternehmen in die Gespräche ein. Umwelt- und Gesundheitsschutz müssen mit technisch umsetzbaren Anforderungen, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und der Sicherung europäischer Produktionskapazitäten verbunden werden.
REACH: Wie geht es nach der gestoppten Revision weiter?
Ein Schwerpunkt war die Frage, wie die europäische Chemikalienpolitik nach der vorerst gestoppten umfassenden REACH-Revision weiterentwickelt werden soll. Die Europäische Kommission hatte im April angekündigt, die Verordnung zum jetzigen Zeitpunkt nicht neu zu öffnen.
Für den ZVO bleibt entscheidend, dass die weitere Ausgestaltung des bestehenden Rechtsrahmens zu mehr Planungssicherheit und praktikablen Verfahren führt. Gerade mittelständische Unternehmen benötigen nachvollziehbare Anforderungen und einen regulatorischen Rahmen, der langfristige Investitionen ermöglicht. Die politischen Herausforderungen bei Chrom(VI) und PFAS bleiben unabhängig von einer umfassenden REACH-Revision bestehen.
Hartverchromung erhalten – europäische Lieferketten schützen
Ein weiterer zentraler Gegenstand der Gespräche war die Aufrechterhaltung der Hartverchromung mit Chrom(VI). Aus Sicht des ZVO muss dieses Verfahren dort weiterhin möglich bleiben, wo keine technisch geeigneten und wirtschaftlich tragfähigen Alternativen verfügbar sind.
Hartchromschichten erfüllen anspruchsvolle Funktionen, insbesondere beim Verschleißschutz und bei der Lebensdauer industrieller Bauteile. Ihre Verfügbarkeit ist deshalb für zahlreiche nachgelagerte Anwendungen von großer Bedeutung. Werden entsprechende Produktionsmöglichkeiten in Europa eingeschränkt, drohen aus Sicht des ZVO zusätzliche Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern sowie der Verlust von Wertschöpfung und technischem Know-how.
Der Verband setzt sich daher für Anforderungen ein, die einen hohen Schutz von Beschäftigten und Umwelt gewährleisten und zugleich unter industriellen Praxisbedingungen erfüllbar sind. Die Folgen für europäische Lieferketten müssen bei regulatorischen Entscheidungen von Beginn an berücksichtigt werden.
PFAS: Anwendungen differenziert bewerten
Auch die künftige regulatorische Behandlung von PFAS wurde erörtert. Der ZVO fordert eine differenzierte Betrachtung der jeweiligen Anwendungen, ihrer Emissionen und der tatsächlichen Verfügbarkeit geeigneter Alternativen.
Für industrielle Anwendungen, etwa in der Hartverchromung und der Kunststoffätzung, braucht es aus Sicht des Verbandes tragfähige Regelungen, ausreichende Übergangszeiten und Ausnahmen, solange geeignete Alternativen fehlen. Zugleich müssen Maßnahmen zur Vermeidung, Erfassung und Behandlung von Emissionen angemessen berücksichtigt werden. Pauschale Beschränkungen dürfen nicht dazu führen, dass wichtige Verfahren aus Europa verschwinden, ohne dass damit ein entsprechender Nutzen für Umwelt und Gesundheit erreicht wird.
Mit den Gesprächen in Brüssel unterstreicht der ZVO seinen Anspruch, die Erfahrungen der betrieblichen Praxis frühzeitig in politische Entscheidungen einzubringen. Das Ziel bleibt eine europäische Chemikalienpolitik, die Schutzstandards sichert und der Industrie eine verlässliche Zukunft am Standort Europa ermöglicht.
